Die Kunst Bier zu brauen hat in Villach seit langem Tradition.
Schon im Mittelalter gibt es mehrere Steinbier-brauereien. Ihr Aufschwung setzt im 17. und 18. Jahrhundert ein. Der Wein, den man bisher in den Städten vornehmlich getrunken hat, ist auf Grund von Steuererhöhungen in Folge der vielen Kriege für die Bürger zu teuer geworden.
1738 wird erstmals urkundlich erwähnt, dass auch der Wirt Jakob Fischer eine Steinbierbrauerei betreibt. Er ist Besitzer eines schon damals stattlichen Gasthauses neben dem Kapuzinerkloster in der unteren Villacher Vorstadt. Sein Anwesen und das angrenzende Gasthaus Schiestl werden 1765 zusammengelegt.
Später heißt der Betrieb Hotel Brauhaus, heute kennt man ihn als Villacher Brauhof.
Der Gastwirt und Fleischhauer Johann Fischer beginnt wieder mit dem Bierbrauen. Er lässt die nach den Wirren der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts stillgelegte Steinbierbrauerei seiner Vorgänger in eine Kesselbierbrauerei umbauen.
Dies gilt als Geburtsstunde der Villacher Brauerei. Fischer stellt das Bier anfangs hauptsächlich für seinen eigenen Gasthof in der Bahnhofstraße her. Nur ein geringer Teil wird außer Haus verkauft. Der Gastgarten des Lokals befindet sich im Garten des 1786 aufgelassenen Kapuzinerklosters, den Franz Fischer, der Vater von Johann Fischer, gekauft hat.
Heute steht dort die Villacher Brauerei.
1888 tritt Johann Koutnik, der spätere Schwiegersohn von Brauerei-Erbe Alois Fischer, als Braulehrling in das Unternehmen ein.
1894 macht Koutnik sein Braumeisterdiplom. Zu dieser Zeit ist der erst 24-Jährige bereits Prokurist des Unternehmens und leitet die Brauerei Fischer eigenverantwortlich. In dem bereits 1877 erweiterten Betrieb werden nun jährlich 6.000 Hektoliter Bier gebraut, die man schon längst nicht mehr für die eigene Gaststätte allein produziert. Koutnik gelingt es, den Ausstoß in den kommenden Jahren kontinuierlich zu steigern. Der Aufstieg der Brauerei geht eng mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einher, den Villach erlebt. Die Stadt ist einer der bedeutendsten Eisenbahnknotenpunkte Österreichs.
1882 wird das Bahnbetriebsamt, die spätere Bundesbahndirektion, eröffnet. Viele Industriebetriebe siedeln sich an, die Einwohnerzahl steigt.
Mit einem jährlichen Ausstoß von mittlerweile 16.000 Hektolitern übertrifft man im Jahr 1900 erstmals die Brauerei Kern, die bislang größte in Villach.
Noch im selben Jahr wird dem Unternehmen von der Stadt die Genehmigung zur Führung des Stadtwappens verliehen. Damit wird die Brauerei Fischer endgültig zur Villacher Brauerei.
1901 erwirbt Johann Koutnik das Unternehmen um 118.000 Kronen und beginnt sofort mit der Erweiterung der Brauerei. Das gesamte Sudverfahren und die spätere Abfüllung in Fässer und Flaschen werden automatisiert sowie eine künstliche Kühlung für Gär- und Lagerkeller eingebaut. Zum Betrieb des Werkes wird eine Tandem-Dampfmaschine mit 120 PS eingesetzt, die ab 1901 auch elektrischen Strom produziert.
Die Biere der Brauerei Fischer, Hauptsorte ist das "Brauerei Fischer Märzen Bier", erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Bei der Weltausstellung 1905 im belgischen Lüttich wird ein Produkt aus Villach sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Nach der Errichtung des neuen Sudhauses wird im Geschäftsjahr 1907/1908 mit 42.875 Litern der größte Ausstoß vor dem Ersten Weltkrieg erreicht. Nicht nur in Kärnten entstehen neue Niederlassungen des Unternehmens, sondern auch in Krain im heutigen Slowenien sowie in Triest, Istrien, Pula und Venedig. Das Bier der Brauerei Fischer wird sogar in Brindisi und Ancona verkauft.
1911 stellt Johann Koutnik den gesamten Brauereibetrieb auf Elektrizität um. Eingesetzt werden ein Drehstrommotor mit 100 PS sowie mehrere kleinere Motoren zum Betrieb der Pumpen.
Der Erste Weltkrieg beeinträchtigt die Produktion.
1916 bekommt die Brauerei aufgrund der Lebensmittelknappheit überhaupt keine Gerste mehr. Der Bierausstoß sinkt von mehr als 40.000 auf 5.242 Liter (Geschäftsjahr 1916/1917). Die Monarchie zerfällt in Einzelstaaten, ehemalige Absatzgebiete verschwinden plötzlich hinter hohen Zollmauern.
Zusätzlich zum Export-Stopp sieht sich der aus dem Krieg heimgekehrte Brauereibesitzer Johann Koutnik mit der Tatsache konfrontiert, dass auch die Konkurrenz am kleinen Kärntner Biermarkt immer größer wird.
Johann Koutnik gelingt eine Bündelung der Kräfte:
Am 30. August gründet die Brauerei Fischer gemeinsam mit der Gösser Brauerei und den Brüdern Reininghaus in Graz die "Vereinigte Kärntner Brauereien Aktiengesellschaft". Mit der Sacheinlage der Villacher Brauerei Fischer übernimmt Johann Koutnik 48 Prozent des Aktienkapitals, den Rest teilen sich die angeschlossenen Brauereien sowie Kleinanleger. Nach dem österreichischen Aktiengesetz gibt es noch keine Trennung in Aufsichtsrat und Vorstand.
Geführt wird das Unternehmen vom Verwaltungsrat. Er besteht aus den Direktoren der anderen Brauereien, Präsident wird Johann Koutnik. Herzstück des neuen Unternehmens ist die Brauerei Fischer. Das Hotel Fischer, das seit dem Verkauf der Brauerei an Johann Koutnik selbstständig geführt worden ist, wird am 30. August wieder mit dem Stammbetrieb vereint.
Die Vereinigte Kärntner Brauereien AG kann ihre Marktanteile ausbauen.
1926 ist man die größte Brauerei in Kärnten und stellt rund ein Drittel der im Land erzeugten Biermenge her. Im Geschäftsjahr 1929/1930 wird mit 57.999 Hektolitern der höchste Ausstoß in der Zwischenkriegszeit erreicht. Die Weltwirtschaftskrise, die das Bundesland in den Jahren 1930 und 1931 erreicht, führt allerdings zu massiven Geschäftseinbußen.
Trotz der tristen Umstände wird am 1. August 1936 zum ersten Mal der Villacher Kirchtag gefeiert, der heute Österreichs größtes Brauchtumsfest und nach wie vor eng mit der Brauerei verbunden ist. Johann Koutnik und seine Tochter Dorothea Dobay halten inzwischen gemeinsam 49 Prozent der Aktien der Vereinigten Kärntner Brauereien AG.
1931 heiratet die 1919 verwitwete Dorothea Dobay Anton Grubissich, den Bezirkshauptmann von Spittal an der Drau und nimmt dessen Familiennamen an.
Am 9. August 1939 übernimmt Johann Koutnik den Vorsitz des Aufsichtsrates der Vereinigten Kärntner Brauereien AG, Benedikt Stöberl wird Vorstand. Produktion und Absatz steigen wieder.
Am 11. September 1941 stirbt Johann Koutnik. Seine Anteile am Unternehmen übernimmt seine Tochter Dorothea Grubissich, die nun 50 Prozent der Aktien hält.
1942 übernimmt Victor Gross die Vorstandsfunktion. Trotz der Schwierigkeiten, die der Zweite Weltkrieg mit sich bringt, wird im Geschäftsjahr 1943/1944 die Kapazitätsgrenze der Brauerei und damit ein Rekordausstoß von 90.000 Hektolitern erreicht.
In den Jahren 1944 und 1945 ziehen dann aber Bombentreffer und dadurch verursachte Brände Gebäude und Betriebsstätten der Brauerei in Mitleidenschaft.
1947 ist der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg fast abgeschlossen.
Nach Überwindung der Versorgungskrisen geht es mit der Produktion wieder bergauf. Das Konsumverhalten hat sich geändert. Es kommt zu einer deutlichen Verschiebung vom Fass- zum Flaschenbier. Unter den Vorständen Josef Pachinger und Lois Pazelt wird deshalb in den Jahren 1955 und 1956 die Flaschenabfüllung der Villacher Brauerei umgebaut. Pro Stunde können jetzt bis zu 24.000 Flaschen abgefüllt werden. Im Geschäftsjahr 1956/1957 wird mit 108.520 Hektolitern erstmals ein Ausstoß von mehr als 100.000 Hektolitern erreicht.
Das beliebteste Bier der Kärntner ist nun das Villacher Märzen in Flaschen. Es wird bei der Weltbierausstellung 1958 in Brüssel mit einem "Prix d`Excellence" ausgezeichnet.
Nach dem Neubau des Sudhauses 1964 wird im Geschäftsjahr 1965/1966 unter Alleinvorstand Lois Pazelt erstmals ein Ausstoß von mehr als 200.000 Hektolitern erreicht.
Die Produktionssteigerung ist Folge des boomenden Fremdenverkehrs in Kärnten. Außerdem wird Villacher Bier auch nach Italien und in das damalige Jugoslawien exportiert, während sich die meisten anderen österreichischen Brauereien noch auf den Absatz im Inland konzentrieren. Oberitalien ist bis heute ein wichtiger Absatzmarkt des Villacher Traditionsunternehmens geblieben.
1966 und 1968 entstehen das neue Gär- und Lagerkellergebäude.
Die Zeit der Holzgebinde ist endgültig vorbei. In der Villacher Brauerei wird 1972 der gesamte Betrieb auf die so genannten Euro-Flaschen und die platz- und gewichtssparenden, roten Kunststoffkisten umgestellt. Auch die Holzfässer werden durch Metallfässer ersetzt.
In den Jahren 1974 und 1975 errichtet man eine neue Fass- und Flaschenfüllanlage. Nun können pro Stunden 40.000 Flaschen abgefüllt werden. Unter Vorstand Hermann Tschirch wird in eine neue Flaschenlagerhalle und eine überdachte Ladestraße mit einer Länge von 109 Metern investiert.
1976 wird mit dem Glockner Pils eine neue Biersorte eingeführt, die sich von Beginn an größter Beliebtheit erfreut.
1982 verstirbt Dorothea Grubissich. Sie vererbt ihren Anteil am Unternehmen ihrer Enkelin Madeleine Herberstein.
Im selben Jahr fällt das so genannte Bierkartell, das seit Jahrzehnten die Verkaufspolitik der österreichischen Brauereien bestimmt hat. Nun kann jeder Wirt frei wählen, welche Brauerei er als Lieferant bevorzugt.
Für die Vereinigte Kärntner Brauereien AG unter Vorstand Franz Ovsenk stellt dies den Startschuss für eine weitere Offensive dar. Sie macht das Villacher Bier in einem noch größeren Ausmaß als bisher zum "Kärntner Bier".
Auch der Export boomt. 1985 werden erstmals mehr als 30.000 Hektoliter Villacher Bier nach Oberitalien geliefert. Im selben Jahr wird erstmals seit 1945 wieder mehr Fass- als Flaschenbier verkauft. Grund ist nicht nur die Veränderung im Konsumverhalten der Österreicher, sondern auch eine neue Unternehmenspolitik.
Villacher Bier positioniert sich als starker Partner der Gastronomie.
Ende 1990 wird Johann Stockbauer Vorstand der Vereinigten Kärntner Brauereien AG. Um der Gastronomie ein Vollsortiment und entsprechende Servicetechnik bieten zu können, übernimmt die Vereinigte Kärntner Brauereien AG 1990 zu 100 Prozent die Unteregger GmbH, in Villach.
Die Unteregger GmbH ist ein Fachunternehmen für Kassensysteme, Computerschankanlagen, Espressomaschinen, Kaffeevollautomaten. Großküchen, Thekenbau und Gastronomiebedarf und wird seitdem als 100%iges Tochterunternehmen geführt.
1992 muss der Export von Villacher Bier nach Serbien wegen der Jugoslawien-Krise eingestellt werden. 1993 übernimmt die Vereinigte Kärntner Brauereien AG die 1607 erstmals urkundlich erwähnte Schleppe Brauerei, in Klagenfurt. Das Traditionsunternehmen, an dem man schon seit den 1970er-Jahren einen Anteil von 33 Prozent gehalten hat, wird an seinem Standort belassen. Das Bier aus Klagenfurt wird seither unter der Marke Schleppe Bier vor allem in der Landeshauptstadt Klagenfurt sowie im Ost- und Südkärntner Raum vertrieben.
Die Strategie, den Gastronomiekunden Gesamtlösungen anzubieten, wird konsequent weiterverfolgt. Zur Erweiterung des Sortiments um ein umfassendes Sortiment an alkoholfreien Getränken erwirbt man 1995 die Fima GNG Leber GmbH, in Villach, die 2008 mit der Vereinigten Kärntner Brauereien AG fusioniert wird.
Neben eigenen Produkten wie der bekannten Villacher Limonade ergeht die Abfülllizenz von Almdudler an die Vereinigte Kärntner Brauereien AG. Starke Marken stellen eine wertvolle Bereicherung des alkoholfreien Sortiments für die Gastronomie dar.
Als Komplettanbieter für die Gastronomie verzeichnet die Villacher Brauerei beim Verkauf alkoholfreier Getränke erfreuliche Zuwachsraten.
Nach dem Umbau 2000 wird die Schleppe Brauerei in Klagenfurt als Spezialitätenbrauerei neu positioniert und zu einem Zentrum für Brau- und Bierkultur entwickelt. Die renommierte Brennerei Pfau von Valentin Latschen zieht in ein Gewölbe des Gebäudes ein, die neue Schleppe Eventhalle wird Bühne für vielfältigste Veranstaltungen. Auch rund um die Schleppe Brauerei wird von der Vereinigten Kärntner Brauerein AG massiv in Immobilien investiert und der Schleppe Business Park, ein "eigenes Stadtviertel in Klagenfurt"eröffnet.
In Villach fällt 2004 der Startschuss für eine Großinvestition: Man beginnt mit dem Neubau des Sudhauses und der Erneuerung von Gär- und Lagerkeller. Acht neue Gärtanks mit einem Fassungsvermögen von je 2000 Hektoliter Bier und zwölf liegende Lagertanks für je 1000 Hektoliter werden eingebaut.
Am 1. September 2005 wird das neue Sudhaus der Villacher Brauerei eröffnet. Es ist über einen 500 Meter langen unterirdischen Gang direkt mit der Abfüllstraße verbunden. Pro Sud können nun 220 Hektoliter Bier (das sind 44.000 Krügerl) gebraut werden. Das alte Sudhaus, in dem seit 1964 zwölf Millionen Hektoliter Bier gebraut worden sind, wird als KUNSTHAUSSUDHAUS der Kunst und Kultur zur Verfügung gestellt.
2005 kauft die Vereinigte Kärntner Brauereien AG die Markenrechte an Piestinger Bier und eröffnet im niederösterreichischen Markt Piesting ein Depot. Seither braut man das Piestinger Bier nach altbewährter Rezeptur - die Brauerei wurde 1841 gegründet - in Villach. 2006 wird das Biersortiment um den Villacher Zitronenradler erweitert, der schon im darauf folgenden Jahr beim NEWS-Biertest als "Österreichs beliebtester Zitronenradler" ausgezeichnet wird.
2008 initiiert die Brauerei das Kärntner Braugersteprojekt. Ziel dieser Kooperation aus Wirtschaft und Landwirtschaft ist die Forcierung des Anbaus von qualitativ hochwertiger Kärntner Braugerste.
Im Juli 2008 begeht die Villacher Brauerei ihr 150 Jahr-Jubiläum beim großen Jubiläumsfest mit 15.000 Besuchern in der Villacher Brauerei.
2009 übernehmen die Vorstandsdirektoren Clemens Aigner und Josef Pacher die Geschäftsführung der Vereinigten Kärntner Brauereien AG. Der Villacher Brauerei wird das österreichische Staatswappen verliehen. Anlass ist neben der 150-jährigen erfolgreichen Unternehmensgeschichte das Engagement des Betriebes im gesellschaftlichen Leben.
2010 initiiert die Brauerei die erfolgreiche Bierspezialitäten-Initiative "Mit Bierkultur zum Biergenuss" für die Gastronomie. Ziel ist die Förderung der Bierkultur bei Kärntens Wirten. Auch in die Produktion wird weiter investiert. 2010 stellt die Eröffnung der neuen Filtration einen weiteren Meilenstein im Modernisierungsprozess des Produktsstandortes in Villach dar. Das Einweg-Sortiment wird auf Twist-off Verschluss umgestellt. Villacher Märzen wird zum Lieblingsbier der Kärntner gekürt, wie eine von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt durchgeführte Marktforschung 2010 erneut bestätigt.
2011 wird entsprechend dem österreichweiten Trend das Radlersortiment um den Villacher Radler naturtrüb erweitert. Der zitronig-erfrischende Radler naturtrüb wird bereits im Jahr der Einführung mit dem goldenen DLG Siegel ausgezeichnet. Anlässlich des 650. St. Veiter Wiesenmarktes wird ein eigenes Jubiläumsbier eingebraut. Am 30. September wird das Ende des traditionellen Braujahres zum 1. Villacher Brausilvester geladen.
Die Kunst Bier zu brauen hat in Villach seit langem Tradition.
Schon im Mittelalter gibt es mehrere Steinbier-brauereien. Ihr Aufschwung setzt im 17. und 18. Jahrhundert ein. Der Wein, den man bisher in den Städten vornehmlich getrunken hat, ist auf Grund von Steuererhöhungen in Folge der vielen Kriege für die Bürger zu teuer geworden.
1738 wird erstmals urkundlich erwähnt, dass auch der Wirt Jakob Fischer eine Steinbierbrauerei betreibt. Er ist Besitzer eines schon damals stattlichen Gasthauses neben dem Kapuzinerkloster in der unteren Villacher Vorstadt. Sein Anwesen und das angrenzende Gasthaus Schiestl werden 1765 zusammengelegt.
Später heißt der Betrieb Hotel Brauhaus, heute kennt man ihn als Villacher Brauhof.
Der Gastwirt und Fleischhauer Johann Fischer beginnt wieder mit dem Bierbrauen. Er lässt die nach den Wirren der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts stillgelegte Steinbierbrauerei seiner Vorgänger in eine Kesselbierbrauerei umbauen.
Dies gilt als Geburtsstunde der Villacher Brauerei. Fischer stellt das Bier anfangs hauptsächlich für seinen eigenen Gasthof in der Bahnhofstraße her. Nur ein geringer Teil wird außer Haus verkauft. Der Gastgarten des Lokals befindet sich im Garten des 1786 aufgelassenen Kapuzinerklosters, den Franz Fischer, der Vater von Johann Fischer, gekauft hat.
Heute steht dort die Villacher Brauerei.
1888 tritt Johann Koutnik, der spätere Schwiegersohn von Brauerei-Erbe Alois Fischer, als Braulehrling in das Unternehmen ein.
1894 macht Koutnik sein Braumeisterdiplom. Zu dieser Zeit ist der erst 24-Jährige bereits Prokurist des Unternehmens und leitet die Brauerei Fischer eigenverantwortlich. In dem bereits 1877 erweiterten Betrieb werden nun jährlich 6.000 Hektoliter Bier gebraut, die man schon längst nicht mehr für die eigene Gaststätte allein produziert. Koutnik gelingt es, den Ausstoß in den kommenden Jahren kontinuierlich zu steigern. Der Aufstieg der Brauerei geht eng mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einher, den Villach erlebt. Die Stadt ist einer der bedeutendsten Eisenbahnknotenpunkte Österreichs.
1882 wird das Bahnbetriebsamt, die spätere Bundesbahndirektion, eröffnet. Viele Industriebetriebe siedeln sich an, die Einwohnerzahl steigt.
Mit einem jährlichen Ausstoß von mittlerweile 16.000 Hektolitern übertrifft man im Jahr 1900 erstmals die Brauerei Kern, die bislang größte in Villach.
Noch im selben Jahr wird dem Unternehmen von der Stadt die Genehmigung zur Führung des Stadtwappens verliehen. Damit wird die Brauerei Fischer endgültig zur Villacher Brauerei.
1901 erwirbt Johann Koutnik das Unternehmen um 118.000 Kronen und beginnt sofort mit der Erweiterung der Brauerei. Das gesamte Sudverfahren und die spätere Abfüllung in Fässer und Flaschen werden automatisiert sowie eine künstliche Kühlung für Gär- und Lagerkeller eingebaut. Zum Betrieb des Werkes wird eine Tandem-Dampfmaschine mit 120 PS eingesetzt, die ab 1901 auch elektrischen Strom produziert.
Die Biere der Brauerei Fischer, Hauptsorte ist das "Brauerei Fischer Märzen Bier", erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Bei der Weltausstellung 1905 im belgischen Lüttich wird ein Produkt aus Villach sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Nach der Errichtung des neuen Sudhauses wird im Geschäftsjahr 1907/1908 mit 42.875 Litern der größte Ausstoß vor dem Ersten Weltkrieg erreicht. Nicht nur in Kärnten entstehen neue Niederlassungen des Unternehmens, sondern auch in Krain im heutigen Slowenien sowie in Triest, Istrien, Pula und Venedig. Das Bier der Brauerei Fischer wird sogar in Brindisi und Ancona verkauft.
1911 stellt Johann Koutnik den gesamten Brauereibetrieb auf Elektrizität um. Eingesetzt werden ein Drehstrommotor mit 100 PS sowie mehrere kleinere Motoren zum Betrieb der Pumpen.
Der Erste Weltkrieg beeinträchtigt die Produktion.
1916 bekommt die Brauerei aufgrund der Lebensmittelknappheit überhaupt keine Gerste mehr. Der Bierausstoß sinkt von mehr als 40.000 auf 5.242 Liter (Geschäftsjahr 1916/1917). Die Monarchie zerfällt in Einzelstaaten, ehemalige Absatzgebiete verschwinden plötzlich hinter hohen Zollmauern.
Zusätzlich zum Export-Stopp sieht sich der aus dem Krieg heimgekehrte Brauereibesitzer Johann Koutnik mit der Tatsache konfrontiert, dass auch die Konkurrenz am kleinen Kärntner Biermarkt immer größer wird.
Johann Koutnik gelingt eine Bündelung der Kräfte:
Am 30. August gründet die Brauerei Fischer gemeinsam mit der Gösser Brauerei und den Brüdern Reininghaus in Graz die "Vereinigte Kärntner Brauereien Aktiengesellschaft". Mit der Sacheinlage der Villacher Brauerei Fischer übernimmt Johann Koutnik 48 Prozent des Aktienkapitals, den Rest teilen sich die angeschlossenen Brauereien sowie Kleinanleger. Nach dem österreichischen Aktiengesetz gibt es noch keine Trennung in Aufsichtsrat und Vorstand.
Geführt wird das Unternehmen vom Verwaltungsrat. Er besteht aus den Direktoren der anderen Brauereien, Präsident wird Johann Koutnik. Herzstück des neuen Unternehmens ist die Brauerei Fischer. Das Hotel Fischer, das seit dem Verkauf der Brauerei an Johann Koutnik selbstständig geführt worden ist, wird am 30. August wieder mit dem Stammbetrieb vereint.
Die Vereinigte Kärntner Brauereien AG kann ihre Marktanteile ausbauen.
1926 ist man die größte Brauerei in Kärnten und stellt rund ein Drittel der im Land erzeugten Biermenge her. Im Geschäftsjahr 1929/1930 wird mit 57.999 Hektolitern der höchste Ausstoß in der Zwischenkriegszeit erreicht. Die Weltwirtschaftskrise, die das Bundesland in den Jahren 1930 und 1931 erreicht, führt allerdings zu massiven Geschäftseinbußen.
Trotz der tristen Umstände wird am 1. August 1936 zum ersten Mal der Villacher Kirchtag gefeiert, der heute Österreichs größtes Brauchtumsfest und nach wie vor eng mit der Brauerei verbunden ist. Johann Koutnik und seine Tochter Dorothea Dobay halten inzwischen gemeinsam 49 Prozent der Aktien der Vereinigten Kärntner Brauereien AG.
1931 heiratet die 1919 verwitwete Dorothea Dobay Anton Grubissich, den Bezirkshauptmann von Spittal an der Drau und nimmt dessen Familiennamen an.
Am 9. August 1939 übernimmt Johann Koutnik den Vorsitz des Aufsichtsrates der Vereinigten Kärntner Brauereien AG, Benedikt Stöberl wird Vorstand. Produktion und Absatz steigen wieder.
Am 11. September 1941 stirbt Johann Koutnik. Seine Anteile am Unternehmen übernimmt seine Tochter Dorothea Grubissich, die nun 50 Prozent der Aktien hält.
1942 übernimmt Victor Gross die Vorstandsfunktion. Trotz der Schwierigkeiten, die der Zweite Weltkrieg mit sich bringt, wird im Geschäftsjahr 1943/1944 die Kapazitätsgrenze der Brauerei und damit ein Rekordausstoß von 90.000 Hektolitern erreicht.
In den Jahren 1944 und 1945 ziehen dann aber Bombentreffer und dadurch verursachte Brände Gebäude und Betriebsstätten der Brauerei in Mitleidenschaft.
1947 ist der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg fast abgeschlossen.
Nach Überwindung der Versorgungskrisen geht es mit der Produktion wieder bergauf. Das Konsumverhalten hat sich geändert. Es kommt zu einer deutlichen Verschiebung vom Fass- zum Flaschenbier. Unter den Vorständen Josef Pachinger und Lois Pazelt wird deshalb in den Jahren 1955 und 1956 die Flaschenabfüllung der Villacher Brauerei umgebaut. Pro Stunde können jetzt bis zu 24.000 Flaschen abgefüllt werden. Im Geschäftsjahr 1956/1957 wird mit 108.520 Hektolitern erstmals ein Ausstoß von mehr als 100.000 Hektolitern erreicht.
Das beliebteste Bier der Kärntner ist nun das Villacher Märzen in Flaschen. Es wird bei der Weltbierausstellung 1958 in Brüssel mit einem "Prix d`Excellence" ausgezeichnet.
Nach dem Neubau des Sudhauses 1964 wird im Geschäftsjahr 1965/1966 unter Alleinvorstand Lois Pazelt erstmals ein Ausstoß von mehr als 200.000 Hektolitern erreicht.
Die Produktionssteigerung ist Folge des boomenden Fremdenverkehrs in Kärnten. Außerdem wird Villacher Bier auch nach Italien und in das damalige Jugoslawien exportiert, während sich die meisten anderen österreichischen Brauereien noch auf den Absatz im Inland konzentrieren. Oberitalien ist bis heute ein wichtiger Absatzmarkt des Villacher Traditionsunternehmens geblieben.
1966 und 1968 entstehen das neue Gär- und Lagerkellergebäude.
Die Zeit der Holzgebinde ist endgültig vorbei. In der Villacher Brauerei wird 1972 der gesamte Betrieb auf die so genannten Euro-Flaschen und die platz- und gewichtssparenden, roten Kunststoffkisten umgestellt. Auch die Holzfässer werden durch Metallfässer ersetzt.
In den Jahren 1974 und 1975 errichtet man eine neue Fass- und Flaschenfüllanlage. Nun können pro Stunden 40.000 Flaschen abgefüllt werden. Unter Vorstand Hermann Tschirch wird in eine neue Flaschenlagerhalle und eine überdachte Ladestraße mit einer Länge von 109 Metern investiert.
1976 wird mit dem Glockner Pils eine neue Biersorte eingeführt, die sich von Beginn an größter Beliebtheit erfreut.
1982 verstirbt Dorothea Grubissich. Sie vererbt ihren Anteil am Unternehmen ihrer Enkelin Madeleine Herberstein.
Im selben Jahr fällt das so genannte Bierkartell, das seit Jahrzehnten die Verkaufspolitik der österreichischen Brauereien bestimmt hat. Nun kann jeder Wirt frei wählen, welche Brauerei er als Lieferant bevorzugt.
Für die Vereinigte Kärntner Brauereien AG unter Vorstand Franz Ovsenk stellt dies den Startschuss für eine weitere Offensive dar. Sie macht das Villacher Bier in einem noch größeren Ausmaß als bisher zum "Kärntner Bier".
Auch der Export boomt. 1985 werden erstmals mehr als 30.000 Hektoliter Villacher Bier nach Oberitalien geliefert. Im selben Jahr wird erstmals seit 1945 wieder mehr Fass- als Flaschenbier verkauft. Grund ist nicht nur die Veränderung im Konsumverhalten der Österreicher, sondern auch eine neue Unternehmenspolitik.
Villacher Bier positioniert sich als starker Partner der Gastronomie.
Ende 1990 wird Johann Stockbauer Vorstand der Vereinigten Kärntner Brauereien AG. Um der Gastronomie ein Vollsortiment und entsprechende Servicetechnik bieten zu können, übernimmt die Vereinigte Kärntner Brauereien AG 1990 zu 100 Prozent die Unteregger GmbH, in Villach.
Die Unteregger GmbH ist ein Fachunternehmen für Kassensysteme, Computerschankanlagen, Espressomaschinen, Kaffeevollautomaten. Großküchen, Thekenbau und Gastronomiebedarf und wird seitdem als 100%iges Tochterunternehmen geführt.
1992 muss der Export von Villacher Bier nach Serbien wegen der Jugoslawien-Krise eingestellt werden. 1993 übernimmt die Vereinigte Kärntner Brauereien AG die 1607 erstmals urkundlich erwähnte Schleppe Brauerei, in Klagenfurt. Das Traditionsunternehmen, an dem man schon seit den 1970er-Jahren einen Anteil von 33 Prozent gehalten hat, wird an seinem Standort belassen. Das Bier aus Klagenfurt wird seither unter der Marke Schleppe Bier vor allem in der Landeshauptstadt Klagenfurt sowie im Ost- und Südkärntner Raum vertrieben.
Die Strategie, den Gastronomiekunden Gesamtlösungen anzubieten, wird konsequent weiterverfolgt. Zur Erweiterung des Sortiments um ein umfassendes Sortiment an alkoholfreien Getränken erwirbt man 1995 die Fima GNG Leber GmbH, in Villach, die 2008 mit der Vereinigten Kärntner Brauereien AG fusioniert wird.
Neben eigenen Produkten wie der bekannten Villacher Limonade ergeht die Abfülllizenz von Almdudler an die Vereinigte Kärntner Brauereien AG. Starke Marken stellen eine wertvolle Bereicherung des alkoholfreien Sortiments für die Gastronomie dar.
Als Komplettanbieter für die Gastronomie verzeichnet die Villacher Brauerei beim Verkauf alkoholfreier Getränke erfreuliche Zuwachsraten.
Nach dem Umbau 2000 wird die Schleppe Brauerei in Klagenfurt als Spezialitätenbrauerei neu positioniert und zu einem Zentrum für Brau- und Bierkultur entwickelt. Die renommierte Brennerei Pfau von Valentin Latschen zieht in ein Gewölbe des Gebäudes ein, die neue Schleppe Eventhalle wird Bühne für vielfältigste Veranstaltungen. Auch rund um die Schleppe Brauerei wird von der Vereinigten Kärntner Brauerein AG massiv in Immobilien investiert und der Schleppe Business Park, ein "eigenes Stadtviertel in Klagenfurt"eröffnet.
In Villach fällt 2004 der Startschuss für eine Großinvestition: Man beginnt mit dem Neubau des Sudhauses und der Erneuerung von Gär- und Lagerkeller. Acht neue Gärtanks mit einem Fassungsvermögen von je 2000 Hektoliter Bier und zwölf liegende Lagertanks für je 1000 Hektoliter werden eingebaut.
Am 1. September 2005 wird das neue Sudhaus der Villacher Brauerei eröffnet. Es ist über einen 500 Meter langen unterirdischen Gang direkt mit der Abfüllstraße verbunden. Pro Sud können nun 220 Hektoliter Bier (das sind 44.000 Krügerl) gebraut werden. Das alte Sudhaus, in dem seit 1964 zwölf Millionen Hektoliter Bier gebraut worden sind, wird als KUNSTHAUSSUDHAUS der Kunst und Kultur zur Verfügung gestellt.
2005 kauft die Vereinigte Kärntner Brauereien AG die Markenrechte an Piestinger Bier und eröffnet im niederösterreichischen Markt Piesting ein Depot. Seither braut man das Piestinger Bier nach altbewährter Rezeptur - die Brauerei wurde 1841 gegründet - in Villach. 2006 wird das Biersortiment um den Villacher Zitronenradler erweitert, der schon im darauf folgenden Jahr beim NEWS-Biertest als "Österreichs beliebtester Zitronenradler" ausgezeichnet wird.
2008 initiiert die Brauerei das Kärntner Braugersteprojekt. Ziel dieser Kooperation aus Wirtschaft und Landwirtschaft ist die Forcierung des Anbaus von qualitativ hochwertiger Kärntner Braugerste.
Im Juli 2008 begeht die Villacher Brauerei ihr 150 Jahr-Jubiläum beim großen Jubiläumsfest mit 15.000 Besuchern in der Villacher Brauerei.
2009 übernehmen die Vorstandsdirektoren Clemens Aigner und Josef Pacher die Geschäftsführung der Vereinigten Kärntner Brauereien AG. Der Villacher Brauerei wird das österreichische Staatswappen verliehen. Anlass ist neben der 150-jährigen erfolgreichen Unternehmensgeschichte das Engagement des Betriebes im gesellschaftlichen Leben.
2010 initiiert die Brauerei die erfolgreiche Bierspezialitäten-Initiative "Mit Bierkultur zum Biergenuss" für die Gastronomie. Ziel ist die Förderung der Bierkultur bei Kärntens Wirten. Auch in die Produktion wird weiter investiert. 2010 stellt die Eröffnung der neuen Filtration einen weiteren Meilenstein im Modernisierungsprozess des Produktsstandortes in Villach dar. Das Einweg-Sortiment wird auf Twist-off Verschluss umgestellt. Villacher Märzen wird zum Lieblingsbier der Kärntner gekürt, wie eine von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt durchgeführte Marktforschung 2010 erneut bestätigt.
2011 wird entsprechend dem österreichweiten Trend das Radlersortiment um den Villacher Radler naturtrüb erweitert. Der zitronig-erfrischende Radler naturtrüb wird bereits im Jahr der Einführung mit dem goldenen DLG Siegel ausgezeichnet. Anlässlich des 650. St. Veiter Wiesenmarktes wird ein eigenes Jubiläumsbier eingebraut. Am 30. September wird das Ende des traditionellen Braujahres zum 1. Villacher Brausilvester geladen.